In Deutschland leben 10 Millionen Frau im Alter zwischen 45 und 64 Jahren, das ist ein Viertel der weiblichen Bevölkerung und somit ist das Thema Wechseljahre ein sehr wichtiges Thema.
Die Wechseljahre werden zwar von jeder Frau im entsprechenden Alter erlebt, das persönliche Befinden in dieser Zeit ist jedoch individuell sehr unterschiedlich und basiert auf der eigenen Vorgeschichte, den Lebensumständen sowie der psychischen und körperlichen Konstitution.
Viele Frauen haben in dieser Zeit keine oder kaum Beeinträchtigungen!
Sollten die Beschwerden jedoch ein akzeptables Maß überschreiten, kann nur im persönlichen Gespräch gemeinsam eine individuelle Strategie zur Heilung oder Linderung der Beschwerden entwickelt werden.
Detailiertere Informationen können Sie im unten stehenden Artikel bekommen
Die Definition des Klimakteriums (auch Perimenopause genannt) lautet: “Übergangsphase aus dem fortpflanzungsfähigen Alter der Frau in die Phase der ovariellen Erschöpfung”, in diese Phase fällt der Zeitpunkt der letzten Blutung. Das Wort Klimakterium leitet sich von dem lat. Wort climacter = Stufenleiter ab (griech.: klimakter) [Duden 1978[i]].
Ebenso wird von Holte u. Mikkelsen [1991] festgestellt, dass keine verlässlichen biochemischen Marker etabliert sind, die das Menopausenalter verlässlich anzeigen. So waren von den Beschwerden „Depressionen, Gliederschmerzen, Hitzewallungen und Schlaflosigkeit“ lediglich die Hitzewallungen eindeutig, wenn auch schwach, mit sinkenden Östrogenspiegeln verbunden.
Die Postmenopause beginnt definitionsgemäß ein Jahr nach der letzten Blutung, welche als Menopause bezeichnet wird. Sie ist also nur retrospektiv erkennbar.
Die Definition der Prämenopause lautet: “Unmittelbar vor der Menopause liegender Zeitraum, häufig gekennzeichnet durch vegetative Beschwerden und unregelmäßige Blutungsintervalle” [Leidenberger 1998a[ii]], die hormonellen Veränderungen können aber auch völlig unbemerkt bleiben.
Die typischen klimakterischen Beschwerden im engeren Sinn sind Hitzewallungen und Schweißausbrüche mit begleitenden Schwindelerscheinungen. Alle anderen subjektiven Symptome des Klimakteriums, wie nervöse Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, Herz-Kreislaufbeschwerden, Kopfschmerzen, Migräne, Depressionen und andere sind Folge- bzw. Begleitsymptome [Lauritzen 1976[iii]].
Klimakterische Beschwerden treten in unserem Kulturkreis nach den Literaturangaben bei 50-85 % aller Frauen zwischen 45 und 60 Jahren auf [Kuhl 1999[iv]]. Sie werden von den Frauen unterschiedlich wahrgenommen, etwa 20 % empfinden sie als schwach, 40 % als mäßig stark, 20 % als stark und bei 10 % sind sie so ausgeprägt, dass die Betroffenen unter Umständen sogar arbeitsunfähig werden, nur 10 % haben keine Beschwerden. (“Although menopause is a universal expierence for women, how it is experienced is not universal” [McCraw 1991[v]]).
Von den genannten Beschwerden müssen die organischen Folgen des Östrogenmangels abgegrenzt werden, wie Atrophie der Genitalorgane mit der Folge von Scheidentrockenheit und Harnwegsbeschwerden, die Atrophie der Haut, Arteriosklerose, Osteoporose und gelegentlich Veränderung des Körpergewichtes [Wolf 1997 [vi]]. Diese Erscheinungen sind oft einer Therapie zugänglich.
Außerdem muss man beachten, dass psychische Symptome vermehrt im Verlauf der Prämenopause festgestellt werden, während zum Zeitpunkt der Peri- und Postmenopause mehr vasomotorische Symptome (wie Hitzewallungen) beklagt wurden [Greene u. Cooke 1980[vii]].
sehen Sie hierzu diese Tabelle: Häufigkeit prämenopausaler Beschwerden
Hitzewallungen gehören zu den am häufigsten genannten Symptomen um den Zeitpunkt der Menopause (bis zu 69 % [Neugarten u. Kraines 1965[viii]]). 80 % der Frauen leiden über ein Jahr an Hitzewallungen, aber nur 25 % länger als 5 Jahre. Die Hitzewallungen entstehen auf zentralnervöser-hypothalamischer Ebene. Sinken die Östrogenwerte unter einen bestimmten Wert, fallen die endogenen Opiatpeptidkonzentrationen im Hypothalamus. Dies führt zu einer Funktionsänderung des hypothalamischen Temperaturzentrums und damit zur Vasodilatation ( Gefäßerweiterung) an der Peripherie und zu Schweißausbrüchen, sowie zur Veränderung der Atmung [Leidenberger 1998b[ix], Woodward et al. 1995[x]]. Die Schweißausbrüche treten lediglich in den oberen Körperpartien auf.
Untersuchungen der Körperkerntemperatur [Freedman et al. 1995[xi]] mittels einer geschluckten Radiotelemetriepille haben ergeben, dass die Körpertemperatur 17 bis 2 Minuten vor der Hitzewallung ansteigt und ein signifikanter Abfall 2 bis 17 Minuten nach der Hitzewallung erfolgt. Die Körperkerntemperaturerhöhung betrug dabei nur 0,08 °C, da aber eine ganz geringe Erhöhung der Kerntemperatur eine bis zu 20mal höhere Erhöhung der peripheren Temperatur zur Folge haben kann, bedeutet dies einen peripheren Temperaturanstieg bis zu 1,6 °C. Aber auch in dieser Studie war nicht in allen Fällen eine Erhöhung der Körperkerntemperatur während einer Hitzewallung nachweisbar.
Voda [1981[xii]] untersuchte Häufigkeit und Dauer der Hitzewallungen. Die mittlere Häufigkeit betrug 51 pro 24 Stunden ohne auffallenden Unterschied zwischen Tag und Nacht. Die Dauer einer Hitzewallung betrug 3,31 – 5,48 Min und ließ große individuelle Unterschiede erkennen (0,6 bis 60 Min).
Trotz dieser sehr physiologischen Erklärung gelingt bei vielen Patientinnen eine Plazebobehandlung. Dass viele äußere Einflüsse auch auf diese physiologisch ”greifbaren” Symptome Einfluss nehmen können, erklärt sich daraus, dass die hypothalamischen Kernareale Integrations- und Schaltzentrum für letztlich alle Funktionen des Organismus darstellen, insbesondere für Signale aus den großen Stoffwechselorganen und den Sinnesorganen, und dabei ein “Signalübertragungssystem repräsentieren, anhand dessen man bildhaft die psychosomatische Einheit des Menschen verdeutlichen kann” [Leidenberger 1998c[xiii]]. Für eine psychosomatische Komponente spricht auch, dass nicht jede subjektive Empfindung einer Hitzewallung mit objektiv messbaren Veränderungen einhergeht. Umgekehrt werden auch Veränderungen der peripheren Durchblutung und Temperatur gemessen ohne das begleitende Gefühl von Hitzewallungen.
Wenn aber schon so physiologisch erklärbare Phänomene stark von Außeneinflüssen geprägt werden, müsste dies auf die anderen von Frauen in den Wechseljahren geklagten Beschwerden erst recht zutreffen (psychische Labilität, leichte Ermüdbarkeit, Neigung zu Depressionen, Kopfschmerzen, Herzklopfen, etc.).
Ist eine Behandlung klimakterischer Beschwerden notwendig, werden vorwiegend medikamentöse Therapien eingesetzt. Nicht medikamentöse Therapien wie z.B. die Akupunktur nehmen nur eine untergeordnete Rolle ein.
An medikamentösen Therapien werden eingesetzt: Hormonersatztherapie (HRT, "hormone replacement therapy"), Phytoöstrogene (Cimicifuga racemosa [Steppenkerze], Isoflavone aus Soja und Rotklee), selten Clonidin, Valpirid, Methyldopa. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Organextrakten aus Ovar oder Milz, von homöopathischen Mischpräparaten und und von weiteren Phytotherapeutika.
Für die Substitution werden Östrogenen und Gestagene verwendet. Eine Östrogenmonotherapie bei Frauen mit vorhandenem Uterus gilt als Kunstfehler.
Zahlreiche klinische Studien haben die Wirksamkeit einer HRT auf Wechseljahrs-beschwerden belegt, insbesondere auf „hot flushes“, ebenso die osteoprotektive Wirkung. Fraglich dagegen sind günstige Auswirkungen auf das kardiovaskuläre System und die Harnblase [Greendale et al. 1998[xiv]].
Die Publikation der Daten aus der Women’s Health Initiative (WHI) im Juli 2002 [Roussouw et al., Writing Group for the Women’s Health Initiative Investigators 2002][xv], welche derzeit die größte diesbezügliche randomisierte klinische Studie ist, führten zu erheblicher Unruhe, insbesondere da aufgrund der Erhöhung des Risikos für venöse Thrombosen und Mammacarcinomerkrankungen ein Studienarm abgebrochen wurde.
Obwohl auf die Schwächen der WHI Studie sowie auf unvollständige Darstellungen hingewiesen wurde [Kuhl u. Braendle 2003[xvi], Kuhl 2003[xvii], Braendle et al. 2003][xviii] bleibt die HRT in der Diskussion und die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe reagierte mit einer: Konsensus-Empfehlung zur Hormonersatztherapie im Klimakterium und in der Postmenopause [Stand 2006[xix]]. Hierin wird festgehalten, dass der Nutzen der HRT zur Behandlung vasomotorischer Symptome unumstritten ist.
Die Empfehlungen zur Anwendung der HRT lauten:
Die neueste 9'09 erstellte und bis 12'11 gültige Leitlinie findet sich: www.infoline-menopause.de/menopause/zum_thema/leitlinien/stellungnahme/content-119762.html
Durch die Diskussionen in der Fachpresse und besonders in der Laienpresse ist es zu einer großen Verunsicherung unter Ärzten und Patientinnen bezüglich der Risiken der HRT gekommen, so dass die sog. „alternativen Therapien“ zunehmend an Bedeutung gewinnen. Darauf soll im folgenden etwas ausführlicher eingegangen werden, da die Therapien (noch) nicht so vertraut wie die HRT sind :
Phytoöstrogenen gehören zu den sekundäre Pflanzenstoffe (SPS) , welche Schutzstoffe und Wachstumsregualtoren für die Pflanzen sind. Von 30.000 bisher bekannten SPS kommen 5.000 bis 10.000 in der Nahrung vor. Phytoöstrogene weisen Strukturähnlichkeiten mit Östrogenen auf, 15 Phytoöstrogenen sind bisher in menschlichen Urinproben nachgewiesen worden.
Die Verwendung von Extrakten aus dem Wurzelstock von Cimicifuga racemosa zur Behandlung der klimakterischen Symptomatik ist geradezu klassisch [Pepping 1999[xx]]. Wuttke et al. [2002[xxi]] sind in einem Übersichtsartikel anhand von Literaturdaten und eigenen Befunden zu folgenden Schlussfolgerungen gekommen:
Aus der langen Historie von CR-Extrakten zur Behandlung klimakterischer Beschwerden ergeben sich keine Hinweise auf schwerwiegende Nebenwirkungen. Trotz nicht identifizierter Wirkstoffe haben CR-Extrakt-haltige Arzneimittel im Vergleich zu den Isoflavonen (Soja, Rotklee) folgende wesentliche Vorteile:
Damit erfüllt laut Wuttke et al. [2002] Cimicifuga racemosa am ehesten die Ansprüche an einen idealen Phyto-SERM ("selective estrogen receptor modulator")
Isoflavonoide Phytoöstrogenen sind vorwiegend in Sojaprodukten enthalten, Lignane hingegen in faserreichen pflanzlichen Nahrungsmitteln, wie Getreidekörnern, Beeren verschiedener Obst- und Gemüsesorten und Flachssamen. Bekannte Eigenschaften sind unter anderem: antioxidative Wirkung, antikarzinogene Wirkung in Kulturen von Mammakarzinomzellen, östrogene und antiöstrogene Partialwirkungen sowie Reduktion des freien, biologisch aktiven Östradiols im Plasma [Briese 2002[xxii]].
Hitzewallungen und Schweißausbrüche werden bei asiatischen Frauen deutlich seltener beobachtet als bei deutschen Frauen. Mögliche Ursachen sind sowohl kulturelle [Richters 1997[xxiii]] als auch diätetische Unterschiede. Japanerinnen nehmen bei traditioneller Ernährung bis zu 200 mg/d Isoflavone auf, die durchschnittliche Isoflavonaufnahme in anderen asiatischen Ländern beträgt 50 mg/d. Eine Ernährung mit typischen europäischen Lebensmitteln bietet weniger als 5mg Isovlavone/d. Nagata et al. [2001[xxiv]] konnte in einer prospektiven, japanischen Querschnittsstufe eine negative Korrelation von Hitzewallungen und Sojakonsum nachweisen.
Die North American Menopause Society empfahl 2000 aufgrund der vorliegenden Daten eine Dosierung von 40-80 mg Isoflavonen pro Tag zur Reduktion von Hitzewallungen [NAMS 2000[xxv]]. Foth [2003][xxvi] wertet in einer aktuellen Literaturübersicht zahlreiche Studien aus, die zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Effektivität von Sojaernährung auf die Besserung von klimakterischen Beschwerden kam, wobei Wolf [1998][xxvii] darauf hinweist, dass die bis 1998 erschienen Studien aufgrund der statistischen Designs und der geringen Zahl der Anwenderinnen überwiegend mangelhaft sind.
Von Foth [2003] wurden folgende Schlussfolgerungen abgeleitet:
Wolf [1998] kommt zu dem Schluss, das eine frühzeitig begonnen langzeitige phytoöstrogenhaltige ballastoffreiche Kost das Risiko für Wechseljahrsbeschwerden reduzieren könnte. Er empfiehlt die „Sojaeinnahme“ mittels Sojamehl und Sojadrinks, für die es zahlreiche schmackhafte Zubereitungsmöglichkeiten gibt.
Für diese These spricht eindeutig, dass Japanerinnen, die sich ihr Leben lang in Form von Nahrung (und nicht Pillen) phytoöstrogenreich ernähren, deutlich seltener unter Wechseljahrsbeschwerden leiden. Wuttke et al. [2002] dagegen warnen in ihrer Übersichtsarbeit: "Isoflavone sind stark wirksame Substanzen mit bislang noch nicht ausreichend definiertem Wirk- und Nebeneffekten. Daraus kann sich ein Risikopotential ergeben, da viele Menschen glauben, dass eine höhere Dosis auch bessere Effekte hat. Die unkontrollierte Selbstmedikation, insbesondere mit soja- und rotkleehaltigen Produkten, kann sich in Einzelfällen als schädlich erweisen."
Clonidin, ein alpha-Rezeptoragonist und Antihypertonikum eignet sich höchstens in Einzelfällen und nur vorübergehend zur Behandlung von Hitzewallungen [Leidenberger 1998e][xxviii]. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Organextrakten aus Ovar oder Milz homöopathischen Mischpräparaten und weiterer Phytotherapeutika welche in einer Übersichtsarbeit von Lauritzen [1990][xxix] dargestellt wurden. Diesen ist gemeinsam die schlechte Standardisierbarkeit, ebenso bestehen keine verlässliche Angaben über Wirkung und präventive Wirkung.
Eine Therapieoption bietet die Akupunktur mit der Energiepathologie für Hitzewallungen und Schweißausbrüche: aufsteigendes Leber-Yang bei Schwäche des Nieren- und Leber-Yin. Ein Yin-Defizit führt zu einer relativen Yang Fülle mit den Symptomen eines aufsteigenden Leber Yang. Die Punktewahl wäre Ni3, Le3 zur Stärkung des Yin von Niere und Leber; Le2, Gb 39 bei Yang-Fülle im Kopfbereich sowie Bl31, Bl 32 als Meisterpunkt des Klimakteriums, als Zusatzpunkte kämen Bl 18, Bl 23, MP 6, Gb 20 in Frage [Kampik 1998][xxx]. Es gibt kaum Studien, wie die von Wyon et al. [1994][xxxi], welche die Wirkung dokumentieren. Erfahrungen aus der eigenen Praxis deuten darauf hin, daß eine Besserung der Symptomatik nur im Zeitraum der Anwendung besteht.
In Deutschland leben etwa 10 Mio. Frauen im Alter von 45 bis 64 Jahren, das sind ein Viertel der weiblichen Bevölkerung Deutschlands (Statistisches Jahrbuch 2000[xxxii]).
Das durchschnittliche Menopausenalter beträgt 52 Jahre. Die Variation ist jedoch sehr groß, 1 % aller Frauen erleben ihre Menopause bereits vor dem 40. Lebensjahr und etwa 10 % vor dem 46. Lebensjahr. Frauen, die heute 50 Jahre alt sind, können noch auf durchschnittlich 30 weitere Lebensjahre vorausblicken - ein dramatischer Wandel: war es vor 130 Jahren doch nur etwa ein Drittel dieser Zeit. Das Menopausenalter hat sich im Gegensatz zum Menarchenalter seit dem Mittelalter nicht stark verändert. Die Zahl der Frauen, die dies Alter erleben, ist jedoch erheblich gestiegen: waren es vor 100 Jahren noch 30 %, so erleben heute mehr als 90 % aller Frauen in den westlichen Industrieländern dieses Alter [Braendle 2000[xxxiii]].
In der Allensbach Studie von 1993 [Institut für Demoskopie Allensbach 1993[xxxiv]] wurden 2.000 Frauen zu unterschiedlichen Themen befragt, wie Rollenverständnis, Einstellung zu Politik, Umweltschutz, etc.
Zum Thema Gesundheit ergibt sich hierbei, dass die subjektive Gesundheitsbilanz von Männern und Frauen bei den unter 50jährigen sich nicht wesentlich unterscheidet. Nach dem fünfzigsten Lebensjahr nehmen jedoch die Beeinträchtigungen bei Frauen sprunghaft zu, weitaus stärker als bei gleichaltrigen Männern. Während von den 40-49jährigen westdeutschen Frauen noch 63 % ihren Gesundheitszustand uneingeschränkt als gut beschreiben, sind es von den 50–59jährigen nur noch 44 % und von den 60-69jährigen 38 %. Bei den 50-59jährigen Männern sinkt dagegen der Anteil der mit ihrer Gesundheit uneingeschränkt Zufriedenen lediglich auf 57 % ab und zwischen dem 60. und 69. Lebensjahr ganz geringfügig auf 55 %.
Die Gesundheit hat für die Bevölkerung einen eminent hohen Stellenwert, 82 % aller Frauen nannten die Gesundheit als eine Voraussetzung für ein zufriedenes und glückliches Leben. Das Thema Gesundheitsvorsorge trifft auf ein großes Interesse, 78 % der 21- bis 29jährigen interessieren sich für Informationen zur Gesundheitsvorsorge, das Interesse an diesen Informationen nimmt kontinuierlich über die verschiedenen Lebensphasen zu. Die Frauen sind also für Informationen über die Menopause „erreichbar“, und es könnten somit Befürchtungen und Fehlinformationen rechtzeitig abgebaut werden.
Erst mit zunehmenden Alter beginnt die Bereitschaft, die Gesundheitsorientierung konsequent zu leben. Von den 14-20 jährigen Frauen lebt jede dritte gesundheitsorientiert, von den 40-49 jährigen 50 %, von den über 60 jährigen 75%. Es zeigt sich dass das 40. Lebensjahr eine entscheidende Schwelle darstellt, ab der die Auseinandersetzung mit der eigenen Gesundheit rapide zunimmt. Wahrscheinlich sind Erfahrung mit eigener Krankheit oder der von Angehörigen präsent, ebenso treten viele aus einer Lebensphase des „Aufbaues“ in eine Phase „der Bewahrung“ (Etabliertheit), was sich eben nicht nur auf materielle Bewahrung bezieht.
Wechseljahrsbeschwerden werden in erster Linie zwischen Anfang und Mitte 50 verzeichnet, in dieser Altersgruppe leidet gut jede dritte Frau unter Wechseljahrsbeschwerden. Von den 33 % der Frauen, die an Wechseljahrsbeschwerden litten, gaben 60% an, mit den Beschwerden fertig zu werden, 40 % fühlten sich dagegen sehr beeinträchtigt.
Das Befinden in den Wechseljahren ist sowohl durch kulturelle als auch psychosoziale Einflüsse geprägt. Zu den kulturellen Einflüssen ist anzumerken, dass Martin et al. [1993] bei 52 postmenopausalen Maya-Frauen in Yucatan einen Hormonstatus erhoben haben, dieser unterschied sich nicht von denen vergleichbarer Frauen in den USA und Europa, nur dass die Maya Frauen keine klimakterischen Beschwerden hatten. Als Erklärung wurde angegeben, dass die älter werdende Frau in der Maya Gesellschaft hoch angesehen ist[xxxv]. Interessant ist, dass es Berichte gibt, dass diese Frauen - in unseren Kulturkreis versetzt - die bekannten Symptome entwickeln.
Es gibt weitere Kulturen, in denen Wechseljahrsbeschwerden kaum bekannt sind, so Inderinnen der Rajput-Kaste in Radjastan, Bantu Frauen in Südafrika und die Frauen der heidnisch-hebräischen Bauernbevölkerung Äthiopiens [Cadura-Saf 1981[xxxvi]]. In all diesen Kulturen erfährt die Frau in diesem Lebensabschnitt eine Aufwertung. George [1988] untersuchte fünfzig indische Sikh-Frauen, die nach Kanada immigriert waren, diese zeigten interessanterweise auch in dem neuen Kulturkreis keine klimakterischen Beschwerden[xxxvii]. Inwieweit hier unterschiedliche Verhaltensweisen oder Ernährungsgewohnheiten eine Rolle spielen, ist nicht kritisch beleuchtet, ebenso ob objektiv nachweisbare pathophysiologische Änderungen subjektiv unterschiedlich wahrgenommen werden [Rybo u. Westerberg 1971[xxxviii]].
Aber auch innerhalb der “industrialisierten Welt” gibt es erhebliche Unterschiede, so klagten 80 % der Holländerinnen, 64 % der Kanadierinnen, aber nur 12 % der Japanerinnen über Hitzewallungen. [Röring 1994[xxxix]]. In Japan gab es lange keinen Begriff für “Wechseljahre”. Dort spielt die Menopause eine eher untergeordnete Rolle und wird als ein Baustein im Gesamtprozess des Alterns verstanden [Lock 1991[xl]].
Wenderlein u. Clauder [1996[xli]] erhoben Daten von 716 Patientinnen zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen in 12 gynäkologischen Praxen. Die Befunde waren zum Teil überraschend: So fiel auf, dass nach dem 55. Lebensjahr starke/sehr starke Wallungen mit Schwitzen nur halb so oft vorkommen wie zuvor, was nicht überraschte, aber erstaunlicherweise unterscheiden sich in diesem Alter die Frauen mit und ohne HRT nicht in der Inzidenz dieser Beschwerden – auch ein Hinweis, dass diese Beschwerden noch von anderen Ursachen mitbestimmt werden. Ebenso ergab die Auswertung, dass ein nicht unerheblicher Teil von Patientinnen mit starken Beschwerden diese nicht als behandlungsbedürftig erachtete. Insgesamt rangierten die von den Beschwerden, die auch im MRS erfasst werden, die typischen Wallungen mit Schwitzen in dieser Untersuchung bei den prämenopausalen Frauen nur an 4. Stelle der Häufigkeit.
Es gibt auch Entlastungen, die die Menopause mit sich bringt: Wegfall von der meist als unangenehm empfundenen Menstruation, Wegfall von etwaigen prämenstruellen Beschwerden sowie der Verhütungsaufgaben. Die Frau kann sich von übertriebenen Anforderungen der Gesellschaft an Figur und körperlicher Aktivität befreien -, ebenso von der ständigen Verpflichtung zur Fürsorge gegenüber den Kindern.
Bei durchgeführten Studien konnte gezeigt werden, dass das Klimakteriumserleben nicht in einem gleichsam linearen Verständnis von den hormonellen Veränderungen diktiert wird, sondern von beruflichen, familiären und individualpsychologischen Variablen geprägt wird:
In einer auf neun Jahre angelegten longitudinalen Studie [Dennerstein et al. 2001[xlii]] wurden 267 australische Frauen mit einem Durchschnittsalter von knapp 49 Jahren daraufhin untersucht, welche Variablen die positive Stimmung von Frauen in den Wechseljahren beeinflussen. Die Scores für positive Stimmung blieben über die Zeit stabil und korrelierten nicht mit der Tatsache der natürlichen, menopausalen Wandlung, Alter und Bildung. In der frühen Phase der Menopause wurde die gute Stimmung negativ beeinflusst von intrapsychischem Stress und negativer Einstellung gegenüber dem Altern.
Der wichtigste Faktor, der eine positive Stimmung in der Peri- und Postmenopause hervorrief, war eine positive Stimmung in der Prämenopause. Andere Faktoren, wie gute Gesundheit, verheiratet sein, Zufriedenheit bei der Arbeit und regelmäßige sportliche Betätigung beeinflussten das Vorhandensein von guter Stimmung. Negativ wurde diese beeinflusst durch tägliche Auseinandersetzungen (daily hassles), negative Lebensereignissen (Life events) und dysphorische Stimmungslage. Laut Dennerstein bestätigt die Beständigkeit der positiven Stimmung den Effekt „innere Faktoren“ wie die persönliche Disposition zum Glücklichsein. „Äußere Faktoren“ wie positive und negative Lebensereignisse und die Zufriedenheit bei der Arbeit waren ebenfalls Einflussgrößen für eine positive Stimmung, so dass diese Ergebnisse das Konzept unterstützen, dass Glück eine dynamische Interaktion zwischen „inneren“ und „äußeren“ Faktoren darstellt.
Weiterhin[xliii] fanden Dennerstein et al. [2000] in einer longitudinalen, bevölkerungsbasierten Studie, dass lediglich Hitzewallungen, Brustschmerzen und Scheidentrockenheit sich signifikant in den Wechseljahren wandeln, und zwar nehmen im Laufe der Jahre Hitzewallungen und Scheidentrockenheit zu, Brustschmerzen hingegen ab. In den Erhebungsbögen über klimakterische Symptome werden gerade Brustschmerzen und Scheidentrockenheit zu selten erfasst. In unserer Arbeit klagen 57 % der Frauen über Brustschmerzen.
Greene und Visser [1992[xliv]] konnten im Vergleich mehrerer Studien herausarbeiten, dass Faktoren wie mangelhaftes soziales Netzwerk und fehlende soziale Unterstützung, familiäre Probleme, schlechter Gesundheitszustand, sozioökonomische Verhältnisse, negative Einstellung, die berufliche Situation sowie erlebte Verluste bedeutendere Auswirkung auf klimakterische Beschwerden haben als die hormonelle Situation.
Buddeberg [2000[xlv]] kritisiert, dass die psychosozialen Aspekte der Wechseljahre und der Postmenopause nicht die gleiche Beachtung gefunden haben wie die biologischen Vorgänge. Die Frau in den Wechseljahren sei ja nicht nur ein „Spielball ihrer Hormone“, sondern eine Frau mit familiären Zusammenhängen, gehört einer bestimmten sozialen Schicht an, ist eingebunden in kulturelle Besonderheiten, gesellschaftliche Erwartungen und Normen und nicht zuletzt eine Person mit einer individuellen Lebensgeschichte.
Buddeberg zeigt auch die psychosozialen Faktoren, welche mit keiner oder einer geringen psychosomatischen Symptombildung einhergehen. Die Frauen mit wenigen psychosomatischen Beschwerden
haben eine Teil- oder Vollzeitbeschäftigung in einem befriedigenden Beruf (Ausbildung zu Ende führen und nicht bei ungewollter Schwangerschaft abbrechen!)
Das häufig beschworene „empty-nest-Syndrom“ scheint aufgebauscht. Die Untersuchungen von Schultz-Zehden [1998] zeigten, dass zwei Drittel der Frauen es genießen, weniger Arbeit und stattdessen mehr Freiraum für sich selbst zu haben. Auch die Arbeit von Dennerstein et al. aus dem Jahre 2002 kommt zu exakt dem gleichen Ergebnis.
Interessantes ergab sich zum Körpererleben im Klimakterium: Wenn die Frauen nach ihrem eigenem Attraktivitätserleben gefragt werden, geben sie ein subjektiv unverändertes Bild an. So weisen 75% der Frauen Beeinträchtigung ihrer Attraktivität seit Beginn der Wechseljahre aus subjektivem Empfinden heraus zurück und 82% aller Frauen erleben keine Einschränkung in ihrer Weiblichkeit. Das steht jedoch im Widerspruch zu dem, wie sie sich im öffentlichen Bild bewertet fühlen. Etwa die Hälfte fühlt sich abgewertet, zum alten Eisen gezählt, ins Abseits gedrängt. Die Frauen finden sich zwar unverändert attraktiv, aber die Gesellschaft gibt ihnen nicht mehr die entsprechende Aufmerksamkeit. Wenn man gezielt nach körperlichen Veränderungen fragt, sagt allerdings mehr als ein Drittel der Frauen, dass sie die figürlichen Veränderungen, das „schlaffer Werden“ der Haut, das Auftreten von Falten als belastend erleben, dass sie Probleme mit dem „dicker Werden“ haben.
Schultz-Zehden [1996] hat alle ihr zugänglichen Arbeiten, die sich mit den psychosozialen Einflussfaktoren auf die klimakterischen Beschwerden im Klimakterium befassen, recherchiert und folgende Faktoren im Zusammenhang mit ausgeprägten klimakterischen Beschwerden gefunden:
In Deutschland leben etwa 10 Mio. Frauen im Alter von 45 bis 64 Jahren, das sind ein Viertel der weiblichen Bevölkerung. Nach dem fünfzigsten Lebensjahr nehmen gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Frauen sprunghaft zu, weitaus stärker als bei gleichaltrigen Männern. Wechseljahrsbeschwerden werden in erster Linie zwischen Anfang und Mitte 50 verzeichnet, in dieser Altersgruppe leidet gut jede dritte Frau unter Wechseljahrsbeschwerden. Das Leitsymptom der Wechseljahrsbeschwerden, die Hitzewallungen, ist zwar physiologisch durch sinkende Östrogenwerte erklärbar. Da jedoch bei allen Frauen die Hormonwerte abfallen, aber die Art und Stärke der Beschwerden unterschiedlich imponieren, müssen diese noch von anderen Faktoren determiniert werden.
Folgende Faktoren gehen nach einer eigenen Untersuchung mit mehr klimakterischen Beschwerden einher:
Somit können diese Patientinnen gezielter einer Prävention zugeführt werden. Hierfür gibt es ganz unterschiedliche Möglichkeiten, sei es eine Gewichtsreduktion, Abbau von Befürchtungen über die Wechseljahre durch Aufklärung oder Zuführung der Patientin zu einer psychotherapeutischen Behandlung, auch wenn die Patientin noch „kompensiert“ erscheint, aber mit der Vorstellung, dass durch zusätzlichen Ereignisse in den Wechseljahren die Verletzbarkeit steigt, und die Patientin dadurch erhebliche Beschwerden bekommen wird.
Die Wechseljahre werden zwar von jeder Frau im entsprechenden Alter erlebt, das persönliche Erleben aber ist individuell sehr unterschiedlich und basiert auf der eigenen Vorgeschichte, den Lebensumständen, der psychischen und körperlichen „Ausstattung“ der Frau. Demzufolge kann eine alleinige Hormongabe nicht die Antwort auf Wechseljahrsbeschwerden sein, sondern das ärztliche Gespräch muss wieder in den Vordergrund rücken. In diesem sollten etwaige Befürchtungen der Frauen eruiert werden und die psychische und physische „Ausstattung“ sowie der soziale Hintergrund erfasst werden, um mit der Patientin eine individuelle Präventionsstrategie zu erarbeiten. Die Gespräche sollten frühzeitig beginnen, um Befürchtungen, die das Erleben der Wechseljahre sehr negativ beeinflussen können, bei Zeiten abzubauen.
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